Wenige Jahre, nachdem wir mit dem Architektendiplom in der Tasche auseinander gegangen waren, berichtete Kommilitonin Susanne von Ausschreibungen, die sie zu realisieren hätte. Ich war fasziniert und wirklich neidisch. Hatte ich damals in meinem Angestelltenverhältnis doch noch keine einzige Ausschreibung bewerkstelligt. Dabei macht dieser Teil laut Tabelle unter den Punkten “Vorbereitung und Mitwirkung bei der Vergabe” immerhin 14% des Architektenhonorars aus. Und ich hatte keinen Schimmer, wie man ausschreibt. Das wurmte.
Zum Ende der Installation von Mozillas Firefox 3.0 – ein gut lancierter Downloadhype damals – fragte mich das Programm, ob ich denn schon bei facebook wäre. Wenn nicht, dann sollte ich mich unbedingt anmelden in der Welt der privaten und geschäftlichen Kontakte, um mein weiteres Existieren im Internet zu sichern. Man mag es glauben oder nicht, ich hatte echt keine Ahnung, was hinter den Begriffen social network und facebook stand. Immerhin habe ich zu dieser Zeit Internetseiten programmiert und auch schon verstanden, dass Web 2.0 mehr als nur runde Fensterecken auf perfektionierten Schatten ist. Wieder wurmte es.
Sollte mir das social networking, dieser scheinbar wichtige Teil des Internetlebens, verborgen bleiben? Es wurmte noch einige Zeit. Dann ergab sich ein Grund einzusteigen. Schwester Ute war über Skype in der Schweiz zu sehen und ich entnahm ihrer zerhackstückelten Rede, dass im facebook Fotos ihres Aufenthaltsortes zu sehen seien. An einem sonnigen Vormittag schaltete ich auf der Terrasse mein Laptop auf Empfang und schrieb mich bei fb ein. Und los ging die Suche – zuerst natürlich nach den Familienfotos, gleich danach nach Freunden. Der ständig zu lesende Begriff FreundIn viel mir gleich ins Auge. Geschlechtergleichstellung also auch hier. Kenne ich ja schon aus der GaragenVerordnung des Landes Sachsen-Anhalt, das mit § 22 einen ganzen Paragraphen diesem Problem widmet.
Höhepunkt meines fb-Daseins: Das Konzert von Amanda Palmer in Dublin unter der Aschewolke. Meine Begeisterung darüber habe ich ja schon im Blogbeitrag “online tonight” beschrieben und ich denke heute noch gern daran, wenn ich die CD WhoKilledAmadaPalmer einlege. Nur durch die Fan-Seite von Bitter Ruin, einem sehr musikalischen Duo aus Brighton, habe ich damals von dem Konzert erfahren. Facebook hier also als gute und vor allem zeitnahe Informationsquelle.
Tiefpunkt meines fb-Daseins: Ich hatte doch tatsächlich geglaubt, mich mit der einen oder anderen FreundIn, im echten Leben treffen zu können. In London und Brighton virtuell verabredet, blieben die von mir mit Spannung erwarteten Treffen aus. Aus sozialer Blauäugigkeit wurde ein seelisches Blaues Auge.
Mir reicht es erst einmal – Bye FreundIn, bye facebook.


hallo jan,
lieb das du das erklärt hast.
ich habe ja garkein fb dasein (bin nur ein mitläufer)also weder gute noch schlechte erfahrungen.
mal sehen was mir zuerst begegnet
es war schön was von dir zu hören
viele liebe grüße auch an corinna
ute habe ich auch von unserem plausch erzählt. Sie freut sich, dass du doch noch spasss an uns bielefeldern hast
carsten