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26. August 2010

unkaputtbar

Zur Rettung des Westvorbaus an der Kathrinenkirche in Salzwedel

Angefangen hat es mit Jody Browns Blogbeitrag „Hey Architects, we are all going to die!“ Er beschreibt da eingangs, dass ein Hummer, in heißes Wasser geworfen, wie wild zappelt (it’s going to freak out). Erwärmt man jedoch das Wasser langsam, bleibt er still sitzen und stirbt ohne Widerwehr. Seither habe ich dieses Gleichnis an verschiedenen Stellen gehört. “Selektive Wahrnehmung” nennt man das, wenn ich mich recht erinnere.

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Nachbars Schuppen. Die Anzahl der Stützen steigt stetig.

In unserem Alltag sind wir oft wie die Hummer. Wir beobachten an Gebäuden breiter werdende Risse, zuwachsende Dachrinnen, kletternden Efeu, aufsteigende Feuchtigkeit.

Heilige Katharina

Mauern und Gewölbe der Westhalle der Katharinenkirche in Salzwedel sind übersät mit Rissen. Deren Anzahl und Ausbreitung stetig steigt. Eine Mauer ist mittlerweilen um 4° aus dem Lot. Seit Jahren stellen zu Rate gezogene Fachleute die Standsicherheit des Gebäudes nicht wirklich in Frage. Im Hinblick auf die Ewigkeiten, die Kirche und Westhalle nun schon stehen, wird die Brisanz des Problems verkannt. Das Wasser wird – zu langsam – heißer.

Ich möchte es fast als einen glücklichen Umstand – oder doch einen Akt göttlicher Fügung ? – bezeichnen, dass Ende Februar 2009 ein Zugeisen reißt. Es ist Bestandteil des historischen Ankersystems, das die horizontalen Schubkräfte des Gewölbes aufnehmen soll. Mit dem Riss des Zugeisens, den wir übrigens auf thermische Spannungen infolge des strengen Winters 2008/2009 zurück führen, macht die Temperatur unseres Wassers einen ordentlichen Sprung nach oben. Das Erhitzen wird wahrgenommen. Das Zappeln beginnt.

Mit unserer Einschätzung “akut einsturzgefährdet, Gefahr in Verzug” auf dem Banner werden derzeit ganz erfolgreich Fördermittel eingeworben. Ich denke, dass auch andere, wenn sie sich den Zustand der Westhalle nur für kurze Zeit vergegenwärtigen, schlaflose Nächte haben.

Noch ist Zeit. Raus aus dem Pott!

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