BOARCHiTEKT

Architekt

 

28. Juni 2010

Ängstliche Argusaugen

Was ist los? In den Museen der Welt blitzt es. Touristen erliegen der momentanen Begeisterung an den Exponaten und halten […]

Was ist los? In den Museen der Welt blitzt es. Touristen erliegen der momentanen Begeisterung an den Exponaten und halten diesen Augenblick fotografisch fest. Es wird den Objekten nahe gekommen, um mehr zu sehen, um zu begreifen. Zuweilen wird Unmut über das Gezeigte lauthals skandiert oder gestenreich manifestiert. Gut so!

bruce-nauman-green-light-corridor-1970 : Photo©Giorgio Colombo.it

bruce-nauman-green-light-corridor-1970 : Photo©Giorgio Colombo.it

Und bei uns? Ängstliches Personal verbietet einem das Zunahekommen. Fotografieren ist untersagt. Selbst die Rauminstallationen von Bruce Nauman darf man am besten nur aus der Ferne betrachten, obwohl sie zum unmittelbaren Begehen und Erleben erschaffen wurden. Neulich im Hamburger Bahnhof habe ich mir doch dann erlaubt, meinen Kopf in eine Spalte zwischen zwei Wände zu stecken. Und, zack, hatte ich den Aufseher an der Hacke, der mich verbal aus dem Kunstwerk zog – mit dem Hinweis: Da können Sie stecken bleiben! Kann ich nicht, Mann!

Ich habe wirklich Respekt vor der Arbeit der Aufpasser – möchte nicht stundenlang da rumstehen oder rumsitzen. Wer verunsichert diese Menschen? Wird ihnen weiß gemacht, dass sie die Millionen teure Restaurierung aus eigener Tasche bezahlen müssen? Wer nimmt ihnen den Spaß an ihrer Arbeit? Ich erinnere mich an einen kurzen Ausschnitt einer Reportage über Pipilotti Rist, in dem sie mit der gesamten Mannschaft der Aufpasser vor Eröffnung der Ausstellung über die Werke gesprochen hat. Zu guter letzt haben sie gemeinsam Strategien entwickelt, wie mit Leuten umzugehen wäre, die in einem Bereich, obwohl zwingend notwendig, ihre Schuhe nicht ausziehen wollen. Das war lustig und menschlich, aber leider nicht bei uns.

[Bruce Nauman “Dream Passage” noch bis 10. Oktober 2010 im Hamburger Bahnhof, Berlin]


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