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Jan Bodenstein

Architekt und Grafiker in Wittenberge

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firmitas utilitas venustas

2019

Grußwort zur Eröffnung der Wanderausstellung zum Wettbewerb „Die Kirche in unserem Dorf“ der Wüstenrot Stiftung in Rosenhagen

Lassen Sie mich bitte gleich zum Anfang feststellen: Es war eine ganz besondere Aufgabe für mich als Architekt, einen Kirchturm zu entwerfen. Zum einen war es der historische Kontext, zum anderen die speziellen Anforderungen der Auftraggeber – und nicht zuletzt war es der Anspruch, gute Architektur zu realisieren.

Schon in der frühen Phase wurde klar, wir würden ein Bauwerk in den alten Abmessungen errichten. Die Basis bildete der ruinöse Sockel aus Feldsteinmauerwerk, in dessen Schutt sich Stücken der alten Turmeindeckung fanden – ein Hinweis auf die Form des Schiefers, den wir für die Auswahl der Eindeckung der Turmspitze nutzten. Das Bild abrunden sollte der Turmschaft, der eine vertikale Verschalung aus Lärchenbrettern bekam, in die sich die erforderlichen Fensteröffnungen unauffällig einfügen sollten. Es entstand die Idee der Fensterläden, deren vertikale Lamellen – in verschiedenen Winkelstellungen verbaut – den Blick auf die Fenster verdecken und gleichzeitig das Licht optimal in den Innenraum lenken.

Dass der Gemeinderaum im Obergeschoss ohne jegliche Innenstütze auskommt, ist dank unserer Tragwerksplanerin Jana Prüfer gelungen, die geschickt Holzrahmenbauweise mit wenigen, optimal platzierten Stahlträgern kombinierte. Letztere leiten die Lasten von Turmspitze und Glockenstuhl in die Außenwände. Vor dem gotischen Ziergiebel steht unsichtbar ein großer Stahlrahmen. So bleibt der Blick auf dieses schöne historische Mauerwerk unverstellt. Der Ziergiebel war übrigens im Außenbereich, bevor die Kirche das erste Mal einen Turm bekam.

Erlauben Sie mir zum Abschluss noch einen Hinweis auf die Luke, mittels derer am oberen Ende der Treppe der Gemeinderaum vom Sockelgeschoss getrennt werden kann. In der Tischlerwerkstatt Burkard Schulze haben wir an einem 1:1-Modell die Konstruktion so weit entwickelt, dass sich der Mechanismus leicht öffnen und schließen lässt; zudem ist die Luke begehbar, wenn sie geschlossen ist. In Verbindung mit dem gläsernen Geländer kann so der Gemeinderaum als ungestörte Einheit erscheinen.

Der alte Römer Vitruv benennt firmitas, utilitas, venustas – also Stabilität, Nützlichkeit und Schönheit – als die drei grundlegenden Kategorien für Architektur. Wenn Sie den Turm besuchen, überprüfen Sie bitte die entstandene Architektur auf Stabilität, Nützlichkeit und Schönheit.

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