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4. Mai 2011
1 Kommentar

Tiefgründige Stille

Über einen stillen Ostersonntag

Morgendämmerung, Ostersonntag, doch die Glocken der Katharinenkirche schweigen. Es ist kein Versehen, keine böse Absicht. Es ist zwingende Notwendigkeit. Denn die Stille reicht hinab bis in die Tiefen des Baugrundes, auf dem die Kirche steht. Dort würde in diesen Ostertagen jede zusätzliche Erschütterung kritische Folgen haben.

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Mitte April beginnen die Rettungsarbeiten im Bereich der Fronleichnamskapelle. Mit fast 100 Betonpfählen wird der Baugrund unter der Westhalle so verbessert, dass er das Gewicht des Bauwerks wieder tragen kann. Mit modernster Technik werden unter den gotischen Mauern Pfähle von etwa 1,20 m Durchmesser hergestellt. Diese reichen bis in eine Tiefe von ca. 7 m. Erst dort finden die erfahrenen Maschinisten tragfähigen Baugrund. Die hohe Kunst des Spezialtiefbauers ist es, die Betonpfähle so einzubauen, dass das Bauwerk während der Arbeiten keinen Schaden nimmt. Solange der Beton nicht ausgehärtet ist, können in diesen „frischen“ Bereichen keine Lasten auf den Boden übertragen werden. Das Gebäude schwebt stellenweise.

Der diesjährige, stille Ostermorgen ist dem einen oder anderen bestimmt noch gegenwärtig. Diese Stille hat dem Baugrund gut getan, hat die Fronleichnamskapelle vor möglichen Schäden bewahrt. Die Standsicherheit ist jetzt wieder hergestellt. Die Rettung der Fronleichnamskapelle wird auf lange Zeit als das erfolgreiche Unternehmen des Gemeindekirchenrates im Bewusstsein bleiben, das seinen Höhepunkt der kritischen Bauphase mit einem stillen Ostersonntag erlebte.

Im Allgemeinen erstrahlen die Bauwerke im oft gepriesenen „neuen Glanz“, wenn die letzten Bauleute den Platz verlassen haben. Doch die Holzwand wird weiterhin den Kirchenraum teilen, Stahlstützen bleiben vor der Westwand stehen, noch lange Zeit werden keine Festzüge durch das Westportal schreiten können.

Es bedarf noch einiger Anstrengung, um im Rahmen eines letzten Bauabschnittes über den geschlossenen Wunden der Fronleichnamskapelle den „neuen Glanz“ zu bilden. Doch nach vielen Jahren gemeinsamer Arbeit bin ich sicher: Es wird gelingen.

Ihr Architekt Jan Bodenstein


Beitrag für den gemeindebrief Juni, Juli und August 2011 der Ev. Kirchengemeinde St. Katharinen Salzwedel sowie Ev. Kirchspiele St. Georg Salzwedel, Altensalzwedel und Kuhfelde

1 Kommentar

  • steffen
    Kommentar
    18.05.2011 @ 08:23

    und dieser kommentar selbst ist schon wieder ein brechen der stille,die unkommentiert dem artikel folgte. manchmal hilft gottvertrauen allein nicht um auf erden zu helfen.

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